Der steppende Wolf.

Wäre „Der Steppenwolf“ von Max Frisch geschrieben worden, hätte sich Harry Haller eine neue Identität zugelegt und wäre in die USA ausgereist, um dort auf Maskenbälle zu gehen und Jazz zu hören.

Wäre „Der Steppenwolf“ von Robert Louis Stevenson geschrieben worden, hätte Harry ein Serum erfunden, das ihn für einige Stunden in eine fremd aussehende, vergnügungssüchtige Person verwandelt hätte.

Wäre „Der Steppenwolf“ von H. P. Lovecraft geschrieben worden, Read More

Advertisements

Bayern und das Comeback der Euthanasie.

Psychisch Kranke haben für die CSU nun offiziell kein uneinschränkbares Recht auf Leben mehr. Als ob es nicht schon verstörend genug wäre, dass psychisch Kranke durch das bayerische Psychiatriegesetz zukünftig wie Straftäter behandelt und psychiatrische Anstalten teils zu Gefängnissen umfunktioniert werden; als ob es nicht ausreichen würde, dass Daten von psychischen Patienten zukünftig an die Polizei weitergegeben und für fünf Jahre gespeichert werden; als ob es nicht schon gefährlich genug wäre, dass durch das neue Polizeiaufgabengesetz zukünftig jeder Bürger, den die bayerische Polizei ohne konkreten Anlass für gefährlich hält (wie zum Beispiel psychisch Kranke) zukünftig vorbeugend in Endlos-Haft nehmen kann; nein, das neue Psychiatriegesetz sieht also auch vor, dass unter anderem „die Grundrechte auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Person eingeschränkt werden“ können. Das ist ein Freifahrtsschein für Gefangenschaft, körperliche Misshandlung und Euthanasie. Eine juristische Grundlage für die Ermordung psychisch Kranker gab’s in Deutschland das letzte Mal im Dritten Reich.

Den entsprechenden Abschnitt findet man im aktuellen Gesetzesentwurf auf Seite 19, Teil 3: Schlussvorschriften, Art. 38: Einschränkung von Grundrechten:
https://www.bayern.landtag.de/…/B…/0000014000/0000014418.pdf

Eine Petition gegen den Entwurf gibt’s übrigens auch schon:
https://www.change.org/p/markus-soeder-stoppen-und-%C3%BCberarbeiten-sie-das-bayerische-psychiatriegesetz

Vegane Konsequenz.

Veganismus-Gegner:
„Veganismus ist total übertrieben. Alles so genau zu nehmen ist doch total neurotisch, warum müssen die denn bei jedem noch so unbedeutenden Mini-Tierbestandteil gleich rumheulen?“

Auch Veganismus-Gegner:
„Also wenn du an einem Hundehaufen vorbeiläufst und den Geruch des Häufchens wahrnimmst, dann liegt das ja daran, dass winzige Partikel des Kotes in die Luft gelangen und von dir eingeatmet werden, das heisst, dass du genau genommen auch ein Tierprodukt aufgenommen hast. Und weil du nicht vermeiden kannst, in die Nähe von Hundehäufchen zu kommen, MUSST DU AB SOFORT JEDEN TAG EIN STEAK ESSEN, SONST BIST DU NÄMLICH INKONSEQUENT, GRRR GRRRRR GRRRRR!!!“

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 7

Jedes Land hat die Musik, die es verdient und deshalb ist jede Echo-Verleihung eine wertvolle Dokumentation über deutsche Widerwärtigkeit. Damit ihr das Grauen nicht mit eigenen Augen ansehen müsst, hat die Redaktion von Menschenverachtende Musikkritiken das Geschehen im ganzen Ausmaß seiner Entsetzlichkeit mitverfolgt und präsentiert hiermit den ausführlichsten Beitrag in der traditionsreichen Geschichte ihres Bestehens:

Zu Beginn klettert die KELLY FAMILY durch ein Dimensionsloch aus einem zu recht vergessenen Jahrzehnt zu uns, in dem Birkenstock-Schuhe noch kein Anzeichen von Hipness waren, sondern nur von Menschen getragen wurden, die jegliche Hoffnung auf Sozialkontakte aufgegeben hatten und somit ohne schlechtes Gewissen die Kelly Family hören konnten. Um den Preis für das Album des Jahres kämpfen die untoten Wiedergänger der Kelly-Clanmitglieder mit HELENE FISCHER, die schlonzigen Schmalzschlager aus dem „Oma ist mal wieder vor dem Fernseher eingepennt“-Programm geradewegs in die Spotify-Playlisten realitätsflüchtiger Teenager gezuckert hat. Weitere Kontrahenten sind zwei unförmige Testosteronberge, die am Tag des israelischen Holocaust-Gedenktages nochmal schnell beweisen, dass man in Deutschland für pseudolustige Punchlines über Auschwitz-Opfer schonmal einen Preis bekommen kann sowie die Toten Hosen, die früher mal versucht haben, Punk zu spielen und jetzt als Backgroundband von Helene Fischer fungieren. Problem nur: Wenn die Musik der Nominierten läuft, muss man sie sich leider anhören. Also gewinnt stattdessen einer, dessen Musik so nichtssagend ist, dass sie am Bewusstsein des Hörers vorbeirauscht und keinen größeren Schaden anrichtet: ED SHEERAN wird dafür belohnt, mal wieder auf Albumlänge einen Hauch von Nichts über zwei Akkorde gehaucht zu haben.

In der Kategorie „Hit des Jahres“ tritt Ed Sheeran dann auch folgerichtig gegen sich selbst an und schickt die Kompositionen „Zwei Akkorde mit formlosem Gehauche 1“ und „Zwei Akkorde mit formlosem Gehauche 2“ ins Rennen und kann sich mit einem der beiden Stücke gegen das „Hey, wenn wir die Wall of Sound noch fetter aufbauschen, bemerkt niemand, dass wir keine Melodien haben“-Desaster von IMAGINE DRAGONS und das „Wenn wir ein bisschen spanischen Kulturkarneval in unser Mitgröhl-Gedudel packen, fühlen sich die deutschen Kartoffeln kulturbeflissen genug, um den Ballermann gar nicht mehr zu verlassen“-Verbrechen namens „Despacito“ von LUIS FONSI durchsetzen. Aus Sicht der Redaktion hätte BAUSA zumindest einen Trostpreis dafür verdient, dass der Song „Was du Liebe nennst“ schon im Titel alle Deutschpop-Lyrics der letzten siebzig Jahre zusammenfasst.

Apropos Deutschpop-Lyrics: Bei der Kategorie „Künstler Pop National“ haben wir den Überblick verloren. Wer war nochmal der Künstler mit den Kalendersprüchen und wer war der mit den Poesiealbumreimen? War ADEL TAWIL derjenige, der sich so anhört, als hätte er die Weisheiten unserer Kindergärtnerinnen vertont oder war das nicht doch der, der mehr so in Richtung „Motivationssprüche von deepen facebook-Seiten“ tendiert? Die größte Überraschung ist PETER MAFFAY: Den gibt’s noch? Und er hat ein Album namens „MTV unplugged“ im Gepäck? Ist das Format nicht beim drölfzigsten Versuch, irgendeine schlecht gealterte Rockband beim Konzertgitarrengezupfe mit Räucherstäbchen zu betäuben, mitsamt den Zuschauern eingeschlafen? Ist er vielleicht per Anhalter bei der Kelly Family mitgefahren, als die mit ihrem Wohnwagen gerade durch das Dimensionsloch in unsere Zeit gedüst und versehens bei der ECHO-Verleihung gelandet sind? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass der Preis an MARK FORSTER geht. Das ist der mit den vertonten „Wird schon wieder gut“-Floskeln. Oder doch der mit den gesungenen Schlaumeiersprüchen? Ach, egal.

Dass JULIA ENGELMANN ihr Debütwerk „Poesiealbum“ nennt und damit immerhin zugibt, dass ihre Texte aus nachdenklichen Sprüchen in den rosa Freundebüchern aus der dritten Klasse zusammengesetzt sind, ist das einzig Bemerkenswerte, was es über die Kategorie „Beste Künstlerin“ zu sagen gibt, also springen wir einfach mal zu „Band Pop National“, wo DIE LOCHIS daran erinnern, dass „deutsche youtuber“ ein Synonym für Subjekte ist, die mit ihrer Unlustigkeit Geld verdienen, während DIE SÖHNE MANNHEIMS nochmal klarstellen, dass sie ihre Lyrics schon aus Poesiealben abgeschrieben haben, als Julia Engelmann noch nichtmal alle Diddlmaus-Sticker beisammen hatte.

Als die Kategorie „Schlager“ über den Bildschirm flimmert, geht eine seltsame Veränderung vor: Das Bild des Fernsehers verzerrt sich und wird von Rauschen unterbrochen. Draußen flackern die Straßenlaternen und erlöschen. Eine nach der anderen, bis die ganze Straße dunkel ist. Plötzlich fangen die Lampen im Zimmer an zu summen und zerbersten schließlich in einem Funkenregen. Es ist still. Der Ton des Fernsehers hat ausgesetzt, nur ein tinnitusartiges Summen und Fiepen wird immer lauter. Alles ist dunkel, nur der Fernseher verströmt sein kaltes, blaues Licht. Im Bildschirm ist das Gesicht eines Gartenzwerges aufgetaucht, der uns mit seinem ausdruckslosen, festgefrorenen Lächeln anstarrt. Er macht einen Schritt auf uns zu. Und noch einen. Und noch einen. Ohne seine grinsende Miene zu verziehen. Er berührt den Bildschirm von innen, seine Porzellanhände dringen durch das Glas, er tritt durch den Fernseher auf uns zu, wir wollen schreien, aber wir sind stumm, wir wollen rennen, doch der Sessel hält uns fest, wir – …

Schweißgebadet wachen wir auf. Es war nur ein Traum. Doch ist er wirklich schon zu Ende? Die KASTELRUTHER SPATZEN drohen mit Schunkelmoshpits, die AMIGOS beschwören ein „Zauberland“ herauf, in dem es mit Sicherheit nur Lederhosen und keine Schwulen gibt und in dem jeden Tag das „Donauwedda“ des VOXXCLUB herrscht, und zu allem Übel ist dann da noch SANTIANO. Wenn verschiedene Sinne miteinander verknüpft sind – wenn ein Mensch also zum Beispiel Musik hört und dabei automatisch eine Farbe sieht – sprechen Psychologen von Synästhesie. Wenn allerdings auch Nicht-Synästheten beim Hören von Musik automatisch den Geruch von ungewaschenen, schweißgetränkten LARP-Kunstfellen in der Nase haben, sprechen Musikkritiker von Santiano. Es ist ja nicht so, dass die Redaktion von Menschenverachtende Musikkritiken Santiano nicht als wichtige Band ansehen würde. Ganz im Gegenteil, Santiano haben der Welt einen großen Dienst erwiesen: Sie waren es, die endgültig bewiesen haben, dass Wacken ein Schlagerfestival ist und man volltrunkene, fetthaarige Metal-Fans in Sabaton-Shirts glänzend mit pseudomittelalterlichem Musikantenstadl-Kitsch amüsieren kann, aber ob sie dafür einen Preis verdient haben? Ganz sicher sind wir uns da noch nicht.

In der Kategorie „Hip Hop / Urban National“ wird die Bühne kurz mit Anabolika geflutet, um die gesamten Genderwissenschaften mit genug Forschungsmaterial zum Thema „Toxische Maskulinität“ zu versorgen, um damit die nächsten fünf Jahre zu füllen. Kollegah und Farid Bang erhalten einen Preis dafür, sich über die Opfer der Shoah lustig zu machen und in der Kategorie „Dance National“ werden GESTÖRT ABER GEIL leider nicht dafür ausgezeichnet, pseudoexzentrische Selbstglorifizierung in einen Bandnamen gepackt zu haben. Stattdessen wird ROBIN SCHULZ dafür belohnt, englische Lyrics zu haben und deswegen etwas weniger Schmerzen zu verursachen als seine Kollegen von Gestört aber Geil.

In der Kategorie „Rock National“ stümpern EISBRECHER weiter mit Riffs vor sich hin, die Rammstein schon zu ausgelutscht fanden, als sie ihre Pyros noch selbst basteln mussten. Ob ihre Texte, die sie aus den Gedichten von edgy Goth-Fünftklässern geklaut haben, weniger kacke sind als der Müll, den SDP aus T-Shirt-Sprüchen und Schüler-VZ-Gruppennamen zusammengebastelt haben, konnten wir bis Redaktionsschluss nicht eindeutig klären. Ist auch bums, denn den Preis erhalten sowieso die Toten Hosen, die ihre Ehre zumindest damit retten, dass Campino der einzige Mensch des Abends ist, der Kollegah und Farid Bang ans Antisemitenbein pinkelt.

Nachdem sich Ed Sheeran für irgendein weiteres Zwei-Akkord-Geplänkel mit formlosem Gehauche einen Preis als bester internationaler Künstler abgeholt hat, startet das Zombie-Battle: Die durch finstere Waldorf-Magie wieder zum Leben erweckten Untoten der Kellogs-Familie treten gegen die Nu-Metal-Nekromanten LINKIN PARK an und werden versehens von der aufgeblasenen Soundwand von Imagine Dragons niedergewalzt. Die Kategorien „Newcomer“, „Produzent“ und „Video“ verschwimmen in einem Meer der Belanglosigkeit.

Die Autoren von Musikexpress haben in ihrem Bericht über den Echo das Wort „Gewinner“ übrigens in Anführungszeichen gesetzt. Besser könnte man unsere Meinung über das Geschehen nicht zusammenfassen.

– Meddlmin

Angstmacher.

Wenn man mit rechtem Gedankengut erfolgreich sein will, sollte man nicht seine Meinung sagen, sondern sich darüber beschweren, dass einem diese Meinung verboten würde. Kein Schwein hört einem Politiker zu, der „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ sagt. Aber einem Politiker, der so etwas sagt wie „Man darf in Deutschland ja gar nicht mehr sagen, dass Ausländer uns die Arbeitsplätze wegnehmen“, dem glauben die Wähler.

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 5

Es gibt da diese „Sounds of Silence“-Coverversion von Disturbed. Das Original von Simon and Garfunkel hört sich irgendwie nach introvertiertem Sinnieren über die Unvermittelbarkeit der Gedanken und Gefühle in der Isolation der Großstadt an. Oder so. Die Disturbed-Version dagegen klingt so, als hätte sich Hans Zimmer als dicke, schwarze Soulsängerin verkleidet und würde in Begleitung eines 500-Mann-Orchesters vor lauter Selbstverliebtheit wild vor dem Spiegel masturbierend diesen Text über den Klang der Stille mit fanatischem Inbrunst und überschlagendem Vibrato brüllen, bis seine Lungen zu zerbersten drohen und auch der allerletzte deutsche Gefühlskrüppel gerafft hat, dass der Song auch wirklich, wirklich, WIRKLICH sehr dramatisch ist.

„Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“

Jedesmal, wenn darüber berichtet wird, dass irgendwo mal wieder ein ehemaliger Auschwitz-Mitarbeiter vor Gericht steht, kreischen Kommentarspaltenkartoffeln wieder panisch Dinge wie „Hilfehilfe jetzt wirft man uns Deutschen schon wieder den Holocaust vor, jetzt lasst den armen Mann doch frei, kann doch nicht sein, dass wir Deutsche schon wieder für was büßen müssen, was lange vorbei ist, wir haben uns doch jetzt oft genug entschuldigt!“ Die Tatsache, dass sich Deutsche so sehr mit NS-Verbrechern identifizieren, dass sie deren Verurteilung als Angriff gegen sich selbst wahrnehmen, lässt halt schon sehr tief blicken.

Wenn deine Standards vielfältiger sind als dein Geschlechterbild.

Fundi-Christen, wenn sie über geschlechtsangleichende Operationen bei Transsexuellen reden: „Jeder Mensch muss so bleiben, wie Gott ihn geschaffen hat! Da darf man nix dran verändern! Böse Operationen, grrrr!“
Fundi-Christen, wenn sie über geschlechtsangleichende Operationen bei Intersexuellen reden: „Also Zwitter sind halt ein Fehler in der Natur, das muss man dringend korrigieren, Operationen sind super, yeah!“

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 4

Metalcore ist der BWL-Justus unter den Musikrichtungen. Diese Aussage könnte man zwar schon so stehen lassen, aber zum besseren Verständnis soll sie doch noch eingehender erklärt werden. Erstens ist Metalcore genauso schmierig und aalglatt, wie es der BWL-Justus nunmal sein soll. Zweitens ist der BWL-Justus ein Meme, also ein Phänomen, das darauf basiert, das immergleiche Muster mit so wenigen Variationen wie möglich immer wieder zu wiederholen, funktioniert also genauso wie das Songwriting von Metalcore. Und drittens ist der BWL-Justus nicht nur irgendein Meme, sondern eines, das schon seit geraumer Zeit tot ist, aber trotzdem noch weiter fortgeführt wird, was ja bei Metalcore nicht anders ist.