Lest und lernt!

Ich verspüre den Drang, euch an meinem grenzenlosen cineastischen Wissen teilhaben zu lassen. Um meinem Bildungsauftrag gerecht zu werden, folgen nun deshalb einige Fakten und Richtigstellungen:

1. »Django« ist ein italienischer Film von Sergio Corbucci aus dem Jahre 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle. Es gab einige Nachfolgefilme unterschiedlicher Qualität, die zu vernachlässigen sind. Django ist ein schweigsamer Revolverheld, der nicht schwarz ist und nicht von Jamie Foxx gespielt wird. Regie führte – wie bereits erwähnt – Sergio Corbucci. Dieser ist Italiener und kein Amerikaner und hat weder »Pulp Fiction« noch »Kill Bill« gedreht.

2. Apropos »Kill Bill«: Das Lied »Bang Bang (My Baby shot me down)« wurde NICHT für diesen Film geschrieben. Manche Quellen behaupten sogar, es wäre ein paar Jahre vor dem Film von einer gewissen Nancy Sinatra veröffentlicht worden und hätte sich auch ohne »Kill Bill« bester Bekanntheit erfreut.

3. Es gibt drei »Star Wars«-Filme, die 1978, 1980 und 1983 in die Kinos kamen. Bei diesen handelt es sich um unsterbliche Meisterwerke von monumentaler Größe; um unnachahmliche Geniestreiche und legendäre, unerreichbare Klassiker. George Lucas plante, drei weitere »Star Wars«-Episoden zu drehen, die die Vorgeschichte zu diesen Werken erzählen sollten. Leider wurde er 1988 von einem verrückten Attentäter getötet, der in einem Bekennerschreiben als Grund für seine Tat angab, er fürchtete, George Lucas könne mit weiteren Filmen den Star Wars-Mythos zerstören. Da die Angehörigen von George Lucas aber viel Geld in weiteren Sternenkriegsepisoden witterten, organisierten sie ein Lucas-Double und zimmerten in der Privat-Greenbox drei Filme unterschiedlicher Qualität zusammen, die fälschlicherweise unter dem Titel »Star Wars: Episode I – III« in die Kinos kamen. Bei »Episode I« handelt es sich zwar nicht um einen Star Wars-Film, aber um gutes, unterhaltsames Popcornkino. Bei »Episode II« handelt es sich weder um einen Star Wars-Film, noch um einen guten Film. Genau genommen handelt es sich um den schlechtesten Science Fiction-Film seit Ed Woods Kult-Schrott »Plan 9 from outer Space«. Bei »Episode III« handelt es sich um einen sehr guten Film, der sogar einen Hauch Star Wars-Atmosphäre aufkommen lässt, aber kein »Star Wars«-Film ist. Disney hatte nie etwas mit »Star Wars« zu tun und wird es auch nie haben.

4. Apropos Star Wars: Die besten Spezialeffekte aller Zeiten kommen in »Star Wars« und »2001: Odyssee im Weltraum« vor. »Metropolis« hat nicht die besten Spezialeffekte aller Zeiten, aber dennoch großartige. Und deutlich bessere als »Episode I – III«.

5. Apropos »2001 – Odyssee im Weltraum«: Der russische Ableger davon heisst »Solaris« und ist einer der besten Filme aller Zeiten. Ich sage bewusst »der RUSSISCHE Ableger«. Denn es ist ein russischer Film. Kein amerikanischer. George Clooney hat an diesem Film nicht mitgewirkt.

6. »Evil Dead« – vielen auch unter dem deutschen Titel »Tanz der Teufel« bekannt – ist ein 1981 erschienener Horrorfilm. Da es sich bei diesem Streifen um ein perfektes Meisterwerk handelt, hat sich niemals jemand getraut, ihn neu zu verfilmen. Weil kein Remake an die Genialität des Originals herankommen könnte.

7. Apropos Remake: »Dawn of the Dead« ist ein Zombiefilm von George A. Romero aus dem Jahre 1978. Er ist neben seinem Vorgänger »Night of the Living Dead« einer der legendärsten Zombiefilme aller Zeiten. Die Zombies in diesem Film können nicht rennen und es tauchen weder ein Zombiebaby noch ein Anti-Zombie-Mobil auf.

8. Eine gute Parodie erkennt man daran, dass sie trotz größter Absurditäten und debilster Witze immer noch die Grundstruktur und die Atmosphäre des parodierten Originalfilms erkennen lässt. Unter anderem deswegen ist die beste Parodie aller Zeiten immer noch die »Nackte Kanone«-Trilogie. Würde man bei diesen Filmen alle Witze entfernen, hätte man immer noch einen hervorragenden, spannenden, optisch gelungenen und atmosphärischen Old School-Polizeifilm. Und aus den genannten Gründen handelt es sich bei den »Austin Powers«-Filmen auch um die schlechtesten und überbewertetsten Parodien aller Zeiten.

[31.07.13]

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»Duisburg hatte eine Burgermeister! Verstehen Sie mich? Das ist Liebe!«

Rock Hard Festival 2013:

Ashes of Ares:
Schön, Matt Barlow mal wieder live zu sehen. Und schön zu hören, dass er immer noch genauso großartig singt wie in seinen besten Tagen. Obwohl keiner der gespielten Songs bereits veröffentlicht wurde, feiert ihn das Publikum gut ab. Schön: Zu jedem seiner Songs erklärt er, worum sich der Text dreht. Songs über schwere Fehler und verstorbene Freunde machen Gänsehaut, ebenso die Aussage „Hinten auf der Bühne steht ein siebenjähriger Freund von mir, der einen Tumor im Kopf hat. Applaudiert für ihn!“

U.D.O.:
Für Udo-Verhältnisse relativ unspektakulärer Auftritt mit wenig Ansagen und wenig Publikumskontakt. Dafür hat die Band durchaus ihren Spaß und gleicht die relativ durchschnittliche Show damit aus, dass ihre Songs einfach genug Testosteron versprühen, um eine ganze Kohlegrube damit zu füllen.

Desaster:
DESAAAAAASCHDEEEEEEEERRRRR! RAAAAHHH! Auf die Bühne kommen, literweise Bier weghauen, Satan brüllen, alles zerkloppen, wieder gehen. Yeah!

Naglfar:
Ein mäßiger Sound und das Wegfallen der Keyboards sorgen dafür, dass die Melodien der Songs nicht besonders rüberkommen. Wenig Ansagen, wenig Bewegung auf der Bühne und allgemein wenig Show machen den Auftritt nicht wirklich interessanter.

D-A-D
What the fuck ist das für eine Truppe? Der Gitarrist ist mehrere Songs über damit beschäftigt, seine Gitarre zum Laufen zu bringen (Kommentar des Sängers: „Wir brauchen fur diese Lied eine neue Gitar! Haben Sie Zeit? Wir mussen warten auf die neue Gitar. Verstehen Sie mich? Das ist Liebe!“), der in einer mit „NASTY“ bedruckten Lacklederhose steckende Bassist sorgt mit ständigen Wechseln seiner zweisaitigen Bässe mit den absurdesten Formen und natürlich mit seinem Rumgeturne auf Verstärkern und Schlagzeug für Erheiterung (ein gläserner Bass, ein raketenförmiger Bass und einer, dessen Korpus die Form eines Kopfes und dessen Kopf die Form eines Korpus hat, dienen ihm in den ewigen Ansagen des Sängers als Ruder, als in seiner Fantasie die Bassdrum, auf der er gerade steht, zu einer venezianischen Gondel wird… äh, ja.), der Schlagzeuger schießt mit seinem fahrbaren und vertikal verstellbaren Drumset komplett den Vogel ab… zumindest, bis sich der Bassist entschließt, einen Helm aufzuziehen, der einen vier Meter hohen Funkenregen versprüht. Auch die Bühnenshow mit einem mannshohen, blinkenden Stierschädel und Pyros kann sich sehen lassen. Höhepunkt bleiben aber definitiv die Ansagen des Sängers:
„Ich habe eine Abenteuer zu erzählen. Von diese Stadt gibt es eine Abenteuer. Es gab eine Burgermeister in diese Stadt. Es ist sehr, sehr lange her. Verstehen Sie mich? Das ist Liebe! Der Burgermeister musste neue Namen und gewahlen. Das Volk muss wahlen. Verstehen Sie mich? Das ist Liebe! Der Name von diese Burgermeister wusste nicht. Aber das war geheim! Das war eine Abenteuer! Verstehen Sie mich? Das ist Liebe! Aber der Burgermeister war lange, lange her. Ich habe vergessen su sagen: Es war 1493. Und das Volk wollte wissen die Name von die Burgermeister. Verstehen Sie, was ich sage? Das ist Liebe! Und die Name von diese Burgermeister ist Klaus! Aber ich habe Sie nur lustig gemacht! Das ist alles nur ausgedacht! Hahaha! Aber es ist eine Abenteuer! Verstehen Sie mich? Das ist Liebe! Und alle: KOMM SCHON, KLAUS! WIR WISSEN, DU SCHAFFST ES! KOMM SCHON, KLAUS! WIR WISSEN, DU SCHAFFST ES!“

Queensryche:
Absolute Erhabenheit, absolute Schönheit, absolute Perfektion. Die Songs entfalten in der mondbeschienenen Atmosphäre des Amphitheaters mit Blick auf den Fluss eine noch magischere, bewegendere Aura. Der neue Sänger macht seinen Job großartig und lässt keine Sehnsucht nach Geoff Tate aufkommen. Schön: Nachdem Queensryche bei Liveauftritten das „Warning“-Album komplett ausgeklammert haben, konzentrieren sie sich diesmal besonders auf diese Scheibe. Lieder wie das zehnminütige „Roads to Madness“ zeigen, dass es sich dabei um eine gute Entscheidung handelte. Ein Auftritt wie ein noch lange, lange nachklingender Drogentrip. Ganz großes Kino.

Attic:
Die King Diamond-Coverband, die keine Songs covert. Man kann ihnen mangelnde Eigenständigkeit vorwerfen, aber düstere Leadgitarren, das coole Outfit, das coole Stage-Acting, die Kerzen und natürlich der großartige Falsett-Gesang lassen nur ein Urteil zu: Gut geklaut ist manchmal besser als schlecht selbst gemacht.

Orchid:
Schön bekifft im Publikum stehen und die Mystik der 70er auf sich wirken lassen. Sehr schön.

Tank:
Ich mag Leute nicht, die sich über den Stilwechsel einer Band mockieren. Und ich mag Leute nicht, die eine Band nur auf einen Klassikersong reduzieren. Aber trotzdem: Sie haben „Blood, Guts and Beer“ nicht gespielt. Pah.

Threshold:
Keinen Song gekannt, aber auf Empfehlung Tobis hingegangen. Guter, epischer Progressive Metal mit fettem, rhythmischem Riffing und geschmackvoll eingesetzten Keyboards. Leider wird der Band (aus meiner Sicht) komplett die Show von einer jungen Dame im Publikum gestohlen, die in Hippie-Klamotten komplett in ihrer Welt durch die Gegend tanzt und Pirouettengedrehe mit Headbanging verbindet. Hippie-Metaller – es gibt sie also doch.

King Diamond:
Der Erfinder des satanistischen Metal kehrt nach langer Krankheit auf die Bühne zurück. Mit einer Show, die einfach mal alles platt macht, was man davor gesehen hat. Die Rock Hard-Crew musste angeblich bauliche Maßnahmen an der Bühne vornehmen, um die perfektionistische Show des Kings in Szene setzen zu können. Eine einstündige, hinter schwarzem Vorhang stattfindende Umbaupause spannt die Fans auf die Folter. Als der Vorhang fällt, weiss man, dass es sich gelohnt hat: Das altbekannte Friedhofsgatter trennt die Band vom Publikum ab, eine drei Meter hohe gotische Galerie mit zwei Treppen trennt die Bühne in zwei Ebenen, eine gotische Fassade und zwei mannshohe, in verschiedenen Farben leuchtende Petruskreuze säumen einen ebenfalls mannshohen und ebenfalls leuchtenden Drudenfuß; Kerzen und Totenköpfe runden das Bild ab. Oh Yeah. Was der King dann veranstaltet, erfüllt alle kaum in Worte zu fassenden Erwartungen an ihn. Materialschlacht des Todes, bluttrinkende Voodozombies, eine ballettanzende Dämonin, die im Rollstuhl sitzende Großmutter aus „Them“, die schwangere Miriam, die Tötung der neugeborenen Abigail, ein Gräber schaufelnder King und Gänsehautattacken versprühende Bühnenpräsenz ohne Gleichen. Kurz: satanische Black Metal-Bands dieser Welt, verpisst euch – der König ist zurück.

[20.05.2013]

Mitternachtsgedanken.

Wir leben in einer Welt, in der man uns die Eigenverantwortung über unser eigenes Leben absprechen will, den Blick von der Verantwortung für andere Kreaturen aber ablenkt.  Auf Zigarettenpackungen werden Warnhinweise und Schockbilder gedruckt. Warum kommt dergleichen nicht auf Tierprodukte? Statt Bilder von glücklichen Kühen auf grünen Weiden kommt auf die Milchpackung ein Foto der an die Melkanlage angeschlossenen Kuh, von der die Milch stammt. Das könnte man gerne koppeln mit der Vorgabe, dass jedes Foto in dem Betrieb entstehen müsste, in dem das Produkt entstanden ist. Das wäre eine tatsächliche Motivation für Unternehmen, die Bedingungen in ihren Produktionsstätten zu verbessern – und gleichzeitig eine Belohnung für jene, die sich um eine artgerechte Haltung bemühen würden. Die glückliche Kuh auf der grünen Weide dürfte nur noch von dem Unternehmen auf die Packung gedruckt werden, bei dem dieses Bild der Realität entspricht. Die Zigarettenpackungswarnhinweise sollten in der gleichen Größe, mit der gleichen Typographie und dem gleichen schwarzen Rahmen auf alle Tierprodukte kommen. Nur stünde darauf dann nicht mehr „Raucher sterben früher“, sondern eben so was wie „Dieses Huhn hatte Zeit seines Lebens einen Bewegungsfreiraum von 550 cm²“. Ich würde das für deutlich wichtiger als Anti-Alkohol-Kampagnen finden.

[03.07.13]

Farewell, my friend. Farewell.

Bei manchen Musikertoden ist es ein schreckliches Gefühl, weil ohne sie eine Welt zusammenbricht. Bei manchen ist es ein geringeres Gefühl, weil sie einem wenig bedeutet haben. Aber bei manchen ist es auch nur ein komisches Gefühl, weil sie einfach so selbstverständlich waren, dass man nie über sie nachgedacht hat.

Mach’s gut, Jeff Hanneman.

[03.05.13]

Versuch einer Rezension: Darkthrone – Circle the Wagons

Sie sind zurückgekehrt. Die kauzigsten, hinterwäldlerischsten, dreckigsten, stinkendsten, angepisstesten, mittelfingerstreckendsten, eigenbrötlerischsten, eigenwilligsten, dickköpfigsten, altmodischsten, eure-Mütter-in-den-Arsch-fickendsten Waldschrate, die Norwegen zu bieten hat; die Zwei-Mann-Armee der Trueness, die fleischgewordene Vinylsammlung, der misanthropische Mittelfinger im ansonsten nur von Stöcken bewohnten Arsch der Gesellschaft und der Black Metal-Szene: DARKTHRONE haben ein neues Album auf die Menschheit losgelassen.

Um es kurz und schmerzlos zu machen: Nein, auch „The Underground Resistance“ klingt nicht nach „Transilvanian Hunger“. Wieso auch? Es gibt mittlerweile tausende Bands, die nach Transilvanian Hunger klingen, warum sollten Darkthrone das Gleiche tun? Und übrigens, liebe selbsternannte Black Metal-Experten: Hätten Darkthrone nicht immer wieder ihren Stil geändert, wären eure „A Blaze in the Northern Sky“s, „Under a Funeral Moon“s und „Transilvanian Hunger“s nie entstanden und die beiden Norweger würden immer noch Death Metal spielen. Ich würde ja jetzt gerne analysieren, wie Darkthrone den Mix aus Punk, Speed, Thrash, Heavy, Doom und Black Metal erneut gekonntACH FICKT EUCH DOCH! Das ist eh kein Album, sondern ein Aufruf, sich 20 Zentimeter lange Killernieten an die Klöten zu kleben und sich schreiend, blutbeschmiert und nur mit einer Sonnenbrille bekleidet auf einen deutschen Schützenpanzer zu stellen, um seine Feinde mit leeren Bierflaschen zu bewerfen! Riffs wie Fressenschläge, zorniges Nocturno-Geknurre, wahnwitziges Fenriz-Geheule und der Sound. Alter, der Sound. Wenn man über Darkthrone und ihren Sound spricht, denken aus irgendeinem Grund immer noch 99% der Metal-Szene an vermatschtes Gerausche. Darkthrone ist irgendwie zu einem Synonym für ausgedünnte Unterproduktionen geworden, obwohl sie es seit jeher schaffen, trotz einer enormen Dreckigkeit jeden Riff perfekt klingen zu lassen. Auf den letzten Alben konnten sie dies zu einer unvergleichlichen Perfektion steigern: Alles klingt rauh, dreckig, rumpelig, knarzig, kurz: natürlich – aber dennoch transparent und druckvoll, wie es sich teuer produzierte Bands nur wünschen würden. Darkthrone schaffen den Spagat zwischen undergroundiger Natürlichkeit und modernen Soundansprüchen wie keine zweite mir bekannte Band. Das muss mal eindeutig gesagt werden.

Auch musikalisch gibt es Entwicklungen: Während sich die von Nocturno Culto geschriebenen Songs weiterhin im rumpeligen, rifflastigen, rhythmusbasierten Holzhammer-Metal wohlfühlen, streift Fenriz die Black Metal-Vergangenheit noch weiter ab. „Valkyrie“ kann mit einem dunklen Cleangitarrenintro glänzen, das in eine tonnenschwere, epische Doom Metal-Walze übergeht, wie sie Black Sabbath in ihren besten Tagen nicht bessser geschrieben hätten. Den schrägen Gesang beschreibt Fenriz als Maiden-lastig, ich halte ihn eher für… schräg, verschroben und herrlich eigenwillig. Saugeil. Das thrashige „The Ones you left behind“ mit seinen ultracoolen, betrunkenen Gesangslinien sollte jeder mögen, der nicht als Pussy gelten will und mit „Come, Warfare, the entire Doom“ gelingt Nocturno wieder ein verschachteltes, mit Rhythmen spielendes, dunkles Riffmonster der „Stylized Corpse“-Klasse. Der 13minütige Rausschmeisser „Leave no Cross unturned“ zeigt mit Power Metal-Screams und Agent Steel-ähnlichen Kieksern in den Gesangslinien sowie einem der coolsten Darkthrone-Refrains aller Zeiten endgültig, wo der Hammer steckt. Und zwar im Arsch eurer Schwestern.

Durch die erneute Trennung des Songwritings wird wieder die unterschiedliche Art der beiden Metal-Veteranen betont. Nocturno Culto als der wahrscheinlich einzige Black Metaller, dem man seine Misanthropie abnimmt; der Altrocker, der in seiner Berghütte sitzt und mehrdeutige, schwammige Texte schreibt, die nach Ausstieg aus der Gesellschaft, Verachtung und Spott klingen. Samt der gewohnt spartanischen Dankesliste. Und Fenriz, der kauzige, verrückte, betrunkene, pubertäre Headbanger in Scorpions-Shirt und Kutte. Samt einem seitenlangen Dankeslistenroman. Und natürlich mit der bewährten Liste der Bandempfehlungen. Diesmal ehrt Fenriz ausschließlich aufstrebende, nie gehörte Underground-Bands. Unterstützung für die Szene. Wo The Underground Resistance draufsteht, ist auch The Underground Resistance drin.

Bei der immer wieder diskutierten Frage, was Black Metal bedeutet oder bedeuten sollte, ist die absurde Antwort: Genau das. Die Black Metal-Szene ist gespalten in Puristen, die von „reinem, unverfälschtem Black Metal“ sprechen und damit aus irgendeinem Grund nicht Venom, sondern Satanic Warmaster meinen; in Freizeitmisanthropen, die noch bei Mutti wohnen und bald Wirtschaft studieren und in Ultra-Oldschoolige, die zu Venom und Hellhammer bangen, aber keine Tiefe gebrauchen können. Darkthrone nehmen die Ernsthaftigkeit der zweiten Welle des Black Metal und die pubertäre, jugendliche Kopflosigkeit des Heavy Metal; sie nehmen die Misanthropie der norwegischen 90er und kreuzen sie mit dem Freiheitsdrang und der gesellschaftlichen Aussenseiterattitüde der 70er. Und dann hocken sie sich mit einer Plattensammlung und Instrumenten in ihre Waldhütte und machen Krach. Der klingt nicht nach dem, was viele seit den 90ern unter Black Metal verstehen. Aber er vereint den Geist der ersten und der zweiten Welle, um etwas zu schaffen, was bei aller Oldschooligkeit dennoch zeigt, wie sich Black Metal im neuen Jahrtausend weiterentwickeln kann. Danke dafür.

[20.04.13]

Parolengedresche von links und von rechts – Folge 3

Iiiiiiiiin der schwarz-roten Ecke: Black Metaller, die Nachtmystium als Nazi-Band entlarvt haben und boykottieren. Die Begründung? Ein Label, das einige NSBM-Bands im Programm hat, hat ein Demo von  Nachtmystium ohne deren Einwilligung wiederveröffentlicht. Als die Band davon Wind gekriegt hat, war es ihnen ziemlich bums, weil die Bandmitglieder eigenen Angaben nach keine rechten Gedanken haben, aber jedem sein Recht auf freie Meinungsäusserung zugestehen. Solche Nazis! Boykottieren!

Iiiiiiiiiin der schwarz-braunen Ecke: Black Metaller, die das Rock Hard Magazin als Antifantenblödsinn entlarvt haben und boykottieren. Die Begründung? Rock Hard hat Dave Mustaine dafür kritisiert, dass er dank seiner rechtskonservativ-christlich-protestantischen Gesinnung regelmäßig seine Konzerte nutzt, um republikanischen Blödsinn über die Homo-Ehe und weitgehend widerlegte Aussagen gegen Barack Obama nachzuplappern. Das bedeutet, dass das Rock Hard ihm garantiert eine rassistische Einstellung nachsagt und der Ansicht ist, dass Rassismus etwas schlechtes wäre. Unerhört! Solche Gutmenschen! Mehr christliche Dogmengläubigkeit für den Black Metal!
(Fun Fact: Das Rock Hard-Festival hat die bekennende NSBM-Band Nachtmystium (siehe oben) für dieses Jahr gebucht. Sind sie etwa rechtsextreme Antifaschisten?)

Iiiiiiiin der blau-blauen Ecke: Der sternhagelvolle Phil, der zu dem ganzen Thema immer noch die gleiche Meinung hat: YOU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOOOOUUUU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOOOOOUUUU’RE ÄN ÄNGEL WITCH!

[22.04.13]

Parolengedresche von links und von rechts – Folge 2

Puh, aufatmen! Der Echo ist vorbei, die Gefahr von frei.laufendem Jung.Wild wurde erfolgreich abgewendet, es gab keine Toten, Verletzten, Vergasten oder Zwangsdeportierten und wir können uns alle für unseren politischen Aktivismus ordentlich auf die Schulter klopfen. Denn schließlich hat die südtiroler Panzerdivision unsere deutsche Demokratie ernsthaft bedroht.

Spaß beiseite und mal klare, wenn auch etwas späte Worte: Frei.Wild sind eine mittelmäßige Deutschrockband mit deutschtümelnden, plumpen und peinlichen Texten und ebensolchen Fans. Aber faschistisch, rassistisch, diskriminierend, ausländerfeindlich, homophob oder gar nationalsozialistisch ist keiner der Songs der Band. Na ja, vielleicht doch, vielleicht müssen wir ja zwischen den Zeilen lesen und etwas interpretieren, mag jetzt der ein oder andere sagen. Reininterpretieren kann man tatsächlich einiges. Aber ist ein Recht unserer ach so schützenswerten Demokratie nicht auch der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten?“ Na ja, demokratische Grundsätze haben für vermeintliche Nazis ja nicht zu gelten, oder?

Und ja, Philipp Burger hat vor seiner Frei.Wild-Zeit auch mal bei einer Rechtsrock-Band gesungen. Und ja, Frei.Wild wollten beim Schützenfest der lokalen Nationalistenpartei auftreten, bis ihnen ihr Management in die Klöten gekniffen hat. Und Philipp Burger war bis 2008 auch noch Mitglied in diesem braunen Stammtischverein. Mag sein, dass alles darauf hindeutet, dass die Frei.Wild-Jungs privat rechtsextreme Vollpfosten sind. Aber nun mal eben privat. Richard Wagner war privat auch ein homophober Antisemit – aber beim Genießen seiner Musik juckt das niemanden, solange seine Opern „Lohengrin“ und „Das Rheingold“ heissen und nicht „Türken raus“ und „Juda verrecke“. Trennung zwischen Musiker und Privatperson nennt man so was.

Aber letztendlich geht es in der Frei.Wild-Debatte ja gar nicht darum, ob diese Band rechtspopulistisch ist oder nicht. Es geht auch nicht darum, ob wir extremistischen Ideologien Einhalt gebieten wollen. Es geht auch nicht darum, ob Demokratie so weit gehen darf, dass wir auch antidemokratische Meinungen tolerieren. Es geht um unsere Scham angesichts unserer eigenen Politikverdrossenheit. Unserer Generation fehlt das, was die 50er, die 60er und die 70er hatten: Eine eigene politische Bewegung. Eine Richtung, ein geplantes Dagegensein. Die politische Welt ist so sehr in einer grauen, angepassten Masse versunken, dass wir nicht mehr wissen, wogegen und wofür wir kämpfen wollen. Wir schlafen im Sessel vor jeder Polittalkshow ein, weil es nichts mehr gibt, worüber wir uns empören können. Wir gieren, wir betteln nach jedem Skandal, in den wir uns einmischen können, um uns selbst das befriedigende Gefühl zu geben, politisch aktiv zu sein. Nicht einfach nur dazusitzen und zuzuschauen, sondern Partei zu ergreifen. Wir danken knieend jedem Pferdeschenkel in der Lasagne, jedem wasserprivatisierenden Großkonzern, jedem homophoben Kleriker und jeder vermeintlichen Naziband, dass sie uns eine Möglichkeit zur politischen Einmischung gibt. Ob diese Naziband dann wirklich so nazi ist, ist dabei irrelevant. Wichtig ist nur ein Gedanke: Da gibt es etwas, was gestoppt werden muss. Und wenn ich auf facebook bei einem „liked, wenn ihr gegen Frei.Wild seid“-Bildchen auf „gefällt mir“ drücke, dann helfe ich im Kampf gegen den braunen Terror. Die Sache mit der NSU-Terrorzelle oder mit der täglich auf unseren Straßen stattfindenden rechten Gewalt oder mit dem in unseren Köpfen verklebten Klischeebild des faulen, arbeitsscheuen und anpassungswiderwilligen Türken ist zu komplex, als dass wir uns dagegen aufbäumen würden. Das würde nachdenken erfordern, das würde einen kreativen Plan zur Bekämpfung unserer eigenen Verbohrtheit erfordern. Nein, wenn wir uns schon mal politisch engagieren, dann soll der Belohnungseffekt doch bitte schnell kommen. Und Anti-Frei.Wild-Parolen unter youtube-Videos zu schreiben, geht nun mal schneller, als zum Beispiel politische Aktionen gegen religiöse Diskriminierung an Schulen zu starten.

Bitte wie? Es geht euch bei politischen Shitstorms gar nicht um eure eigene Eitelkeit? Sondern wirklich um die Sache? Ihr feiert das Pferdefleisch in der Lasagne gar nicht? Und auch nicht den Wasserunfug von Nestlé? Was ist dann mit Amazon? Habt ihr nicht auch flammende Anti-Amazon-Manifeste in eure facebook-Neuigkeiten getippt, nachdem ihr diese Reportage über unterdrückte und betrogene Leiharbeiter gesehen habt? Über die Großkonzerne, die Mächtigen, das Kapital, das den kleinen Mann von der Straße ausbeutet? Warum wart ihr dann so still, als herauskam, dass die ARD Beweise gefälscht hat und Schauspieler als Zeugen hat aussagen lassen? Hm. Aber ihr werdet weiter gegen Frei.Wild schreien, auch nachdem ihr ihre Texte gelesen und nichts faschistisches gefunden habt. Immerhin.

[16.04.13]

Circle the Wagons.

Auf der einen Seite stehen die Old School Black Metaller mit ihren schwarzweissen Kutten, ihrer Merchsammlung und ihren handnummerierten Gatefold-LPs, die darauf schwören, dass echter Black Metal rein satanisch und menschenverachtend ist und dass echte Black Metaller hart am Saufen und Ficken sind und dass jeder, der nicht so denkt, ein Weichei ist, das nichts vom wahren Kult verstanden hat. Black Metal muss in allen Bereichen extrem sein, deswegen ist auch Nationalsozialismus sehr wünschenswert. Sie sind sich ganz sicher, dass nur sie den wahren Black Metal verstanden haben.

Auf der anderen Seite stehen die PostRockShoeGazeAtmosphericAvantgarde Black Metaller mit ihren Hipster-Shirts, ihrer Merchsammlung und ihren handnummerierten Gatefold-LPs, die darauf schwören, dass Black Metal der Ausdruck eines einsam suchenden Geistes in den Wirren der Zivilisation ist. Black Metal ist sehnsuchtsvoll, resigniert und strebt nach Freiheit. Wer nicht so denkt, ist einer dieser stumpfen, kindischen, pubertären und versoffenen Möchtegern-Black Metaller, die nur Niveaulosigkeiten über Satan und Ficken brabbeln und nichts von der Tiefe des wahren Black Metal kapieren. Sie sind sich ganz sicher, dass nur sie den wahren Black Metal verstanden haben.

Dazwischen hocke ich und singe „YOU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOOOOOUUUUU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOU’RE ÄN ÄNGEL WITCH! YOOOOOUUUUU’RE ÄN ÄNGEL WIIIIIIIIIIITCH!“

[31.03.13]

Ich prophezeihe.

Die Prophezeihungen vom Ende der Welt sind so alt wie die Menschheit selbst und dementsprechend ist die Zahl der vorausgesagten Weltuntergänge längst nicht mehr zu erfassen. Da ich als weiser Prophet und Messias natürlich eine gewisse Verantwortung der Menschheit gegenüber habe, werde ich nun das tun, was alle Weltuntergangsmystiker vor mir NICHT getan haben: Ich sage nicht, wann der Weltuntergang kommt, sondern wie man ihn aufhält.

Zuerst mal eine kleine Einführung in den Koran: Laut ihm war Jesus der letzte Prophet vor Mohammed und gleichzeitig das Spiegelbild Adams. Adam war der erste Mensch der Welt, markierte also den Beginn des menschlichen Weltgeschehens. Jesus ist laut Bibel und Koran in den Himmel aufgefahren (wenn auch, laut Koran, ohne vorherige Kreuzigung) und wird am Tag des jüngsten Gerichts wiederkehren, um der Menschheit das Ende zu bringen. So weit, so klar.

Das wichtige Detail dabei: Im Hadith beschreibt Mohammed, wie die Eröffnungsfeier zur Weltuntergangsparty ablaufen wird: Jesus wird seine Hände auf die Flügel zweier Engel legen und bequem auf das östliche Minarett der Omayyaden-Moschee in Damaskus flattern, von dort aus den Antichristen bekämpfen und eine Weile als Friedensfürst in Jerusalem herrschen, bis er sich in ein leeres Grab in Medina direkt neben Mohammed legen wird, bevor’s endgültig zappenduster für die Menschheit wird. Interessiert uns aber alles nicht. Bis auf das Minarett der Omayyaden-Moschee. Wenn das Ding bis zum Weltuntergang nicht mehr steht, hat Jesus keinen Landeplatz mehr und keinen Austragungsort für den apokalyptischen Antichristen-Fight.

Oder kurz: Auf nach Damaskus. Sorry, liebe Muslime, aber wir haben eine Moschee zu zerstören.

[06.03.2013]