Konzertbericht: Ryskinder

Asaf steht hinter seinen Synthesizern und sieht aus wie ein Grundschüler, der gleich ein Referat halten muss. Unsicher blickt er an seinem Mikrofon vorbei; der Song ist aus, das Publikum erwartet jetzt eine Ansage. Zumindest scheint der Song aus zu sein, das weiss man bei Asafs Band RYSKINDER in Ermangelung erkennbarer Liedstrukturen und aufgrund ausufernder Improvisationen nie so genau. Aber seit einem rhythmischen Stolpern herrscht Stille auf der Bühne, was ein relativ eindeutiges Zeichen für das Ende des Songs ist. Seine Gitarristin kniet in einem Meer aus Effektgeräten und blickt ihn genauso erwartungsvoll an wie das Publikum. Asaf weiss, dass er jetzt etwas sagen muss. „Danke!“, dieses deutsche Wort kann er. „We are Ryskinder. We are from Israel.“ Das Publikum lacht. Die Herkunft der Band ist jedem im Raum bekannt. Asaf grinst verlegen. „No, ehm… we’re from… from Italy. Yes, Italy!“ Er blickt sich im Publikum um. „I see, you are hypnotized. That is good.“ Hypnotisierend ist die Musik von Ryskinder tatsächlich. Die Melange aus hämmernden Synthie-Rhythmen, hebräischem Gesang, künstlich gedoppelten Vocals, geloopten Geräuschen und hallverwaschenen Post-Rock-Gitarren entfaltet einen suggestiven Sog, in den die Hörer tief eintauchen. Asaf hebt eine leere Bierflasche in die Höhe. „Can I… can I get another one? Mine is… broken, you know.“ Wenige Minuten zuvor war Asaf von der Bühne gesprungen und musste feststellen, dass sein Mikrofonkabel zu kurz ist, um dem Publikum auf diese Weise bedeutend näher zu kommen. Beim Versuch, wieder auf die Bühne zurück zu kraxeln (die beiden Stufen direkt neben ihm musste er übersehen haben), warf er seine Bierflasche um. Jetzt wartet er darauf, dass der Barkeeper ihm ein neues Getränk bringt. Er erkennt, dass dies keine gute Entscheidung war: Nun muss er die Wartezeit bis zur Ankunft des Getränkes auf der Bühne überbrücken. Er nestelt an seinem schlabbrigen Holzfällerhemd herum und blickt von einem Zuschauer zum nächsten. Dann fällt sein Blick auf die Bierlache, die er auf dem Bühnenboden fabriziert hat. Er schlendert zu der Pfütze und deutet mit einer ausladenden Bewegung darauf. „Hey, this looks beautiful!“ Er lacht. Das Publikum lacht. Der Barkeeper erscheint am Bühnenrand und reicht Asaf sein Bier. „German beer is good“ nuschelt er ins Mikrofon. „Better than Gold Star! Don’t trust the hype!“ Alle, die an diesem Abend eine Flasche der israelischen Biermarke in den Händen halten, lachen. Interessiert begutachtet Asaf das Etikett. „How is that called? Sk… Skon…“ „Schönbuch!“ wird ihm aus dem Publikum zugerufen. „Schönbuch? Ah, okay. How do you say in Germany? Prost?“ Das Publikum prostet zurück. Asaf nimmt einen Schluck und realisiert, dass alle im Raum immer noch darauf warten, dass die Band wieder anfängt zu spielen. „The next song is… it’s Ryskinder. Ryskinder is the band, but Ryskinder is, ehm, it’s a secret…“ Was? Was ist ein Geheimnis? Egal. Asaf schlägt auf einen Knopf seines Synthesizers, was ein atonales Krachen zur Folge hat. Er grinst ins Mikrofon und imitiert das Geräusch. Dieses nimmt er auf, loopt es und spielt einige Effekte dazu. Seine Gitarristin steigt ein. Immer wieder singt Asaf Textzeilen ins Mikrofon, loopt sie, singt ergänzende Zeilen dazwischen, die wieder geloopt werden und performt darüber einen Backgroundgesang. Schließlich realisiert er, dass er längst mit dem Schellenkranz hätte einsetzen müssen, der immer noch unbenutzt an seinem Mikrofonständer hängt. Er versucht, ihn aus der Halterung zu befreien, wobei ihm aber das Mikrofon im Weg ist. Die Gitarristin kämpft sichtlich mit dem Drang, zu lachen. Asaf hat nun das Mikrofon vom Ständer entfernt, doch das Mikrofonkabel führt durch den Schellenkranz, weshalb er das Mic ablegen müsste, um das Instrument in die Hand zu nehmen. Hektisch blickt er sich um und findet keine geeignete Ablagefläche. Beim Umsehen wird er seiner Gitarristin gewahr, die ihm seit mehreren Takten mit Blicken ein Zeichen zu geben versucht. Klar, Asaf hätte schon längst den Beat für den Refrain anstimmen müssen. Er hängt den Schellenkranz zurück an seinen Platz, mischt einige Samples zu den Loops seines Synthesizers dazu und beginnt zu singen. Mittlerweile ist es der Gitarristin zu öde geworden, an den Saiten herumzuzupfen, weshalb sie das Plektrum gegen einen Geigenbogen tauscht und mit diesem auf der Gitarre herumstreicht. Was genau die beiden Personen da auf der Bühne veranstalten, wissen sie wahrscheinlich selbst nicht so genau. Hörenswert ist es aber trotzdem. Ein ganz normales Konzert mit Ryskinder eben.

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