Medienkritische Lifehacks.

Geheimtip zum Erkennen unseriöser Nachrichtenportale: Wenn ein Nachrichtenportal oder ein „Journalist“ 90 % seiner Zeit damit verbringt, Dinge zu sagen wie „Wir sind die Einzigen, die sich noch trauen, ihre Meinung zu sagen!“, „Wir beugen uns nicht dem Diktat der Mainstreammedien!“ oder „Wir sind noch wahrhaft unabhängige Presse, die sich nicht den Mund verbieten lässt!“, dann sind auch die restlichen Inhalte Murks.

Beweisstücke: KenFM, Rubikon, Compact, Martin LeJeune, Daniele Ganser, NachDenkSeiten.

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Queerdenkerei.

Musikalische Fragen an die LGBTQIAXYZ-Szene, die bisher niemand gestellt hat:
1. Wenn ich einen Song über Transgender schreibe, darf ich dann Cis-Tonleitern verwenden?
2. Apropos: Dur und Moll werden in der Musiktheorie als „Notengeschlechter“ bezeichnet. Sollten Musiker diese starren Geschlechterbilder nicht überwinden? Und welche Rolle spielt es dabei, Noten zu transponieren?
3. Warum ist „Ace of Spades“ von Motörhead eigentlich keine Hymne der Asexuellen-Szene?
4. Apropos: Geht es in „Aces high“ von Iron Maiden um bekiffte Asexuelle?
5. Es gibt da ein sehr romantisches Lied namens „Unchain my Heart“, das von einem offen homosexuellen Musiker geschrieben wurde, der 2010 bei der Bergen Gay Gala zum Schwulen des Jahres gewählt wurde. Aber immer, wenn ich mir den Song auf Queer-Partys gewünscht habe, haben mich die DJs verwirrt angeschaut und gemeint, dass sie noch nie von einer Band namens Gorgoroth gehört hätten. Ist das ein Zeichen dafür, dass ich in Zukunft immer den DJ-Posten auf solchen Veranstaltungen übernehmen sollte? (Das war eine rhetorische Frage und die Antwort lautet ja.)
6. Apropos: Würden Queer-Partys besser werden, wenn ausschließlich Musik von queeren Musikern gespielt werden würde und wenn ja, sollte man vielleicht durchgehend ausschließlich Judas Priest laufen lassen? (Auch das war eine rhetorische Frage und auch hier lautet die Antwort ja.)

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 3

Es gibt nur eine Entschuldigung dafür, die Songtexte von SDP lustig zu finden: Man ist irgendwann 2009 in ein Koma gefallen und glaubt beim Aufwachen, Schüler-VZ würde noch existieren und alle Schüler-VZ-Gruppen mit unglaublich lustigen Namen wie „Ich trinke Bier nur an Tagen, die mit G enden. Und Mittwochs.“, „Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag?“, „Ich glühe härter vor, als du säufst“, „Ich tanz aus der Reihe“ oder „Suche Mann mit Pferdeschwanz, Frisur egal“ wären immer noch neu und aktuell. Wenn man unter 14 ist, in Pforzheim wohnt, gerade in seine rebellische Phase kommt und der Illusion erlegen ist, es wäre irgendetwas anderes als unfassbar peinlich, Sprüche-Shirts von EMP zu tragen, dann ist es zwar verständlich, wenn man auch SDP witzig findet, aber man wird für dieses Vergehen auch nur deshalb nicht in der Enz ertränkt, weil man unter 14 halt noch nicht strafmündig ist.

Zehn antikapitalistische Punkte für Ravenclaw.

Ich glaube, die Einteilung politischer Strömungen in links, rechts, progressiv, konservativ, liberal und autoritär sollte ersetzt werden durch Hogwarts-Häuser aus Harry Potter. Man kann jegliche Positionen zu jedem beliebigen politischen Thema in Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff und Slytherin einteilen. Nehmen wir als Beispiel mal Kapitalismuskritik. Gryffindor-Kapitalismuskritiker wären diejenigen, die irgendein Guerilla-Kommando gründen würden, um im Robin-Hood-Style das Geld der Großkonzerne zu plündern und es an die arme Bevölkerung zu verteilen. Das sind diejenigen, die mit hehren Zielen eine Revolution starten und am Ende feststellen, dass es das Blutbad vielleicht doch nicht wert war. Solche Che Guevaras, Castros, Lenins, Stalins und RAFler. Ravenclaw-Kapitalismuskritiker sind solche, die Politik und Philosophie studiert haben, alle Werke über Marxismus, Kommunismus, Marktwirtschaft und Gesellschaftstheorie auswendig kennen, ein Buch darüber schreiben, wie man durch die Umverteilung von Besitz langfristig eine neue Gesellschaftsform installieren könnte und dann in der Politik landen und mit etwas Glück vielleicht irgendwann mal irgendwo irgendeine klitzekleine Gesetzesänderung durchbringen, durch die Kinder von Geringverdienern etwas mehr Chancen auf gute Bildung haben oder so. Solche Gysis, Marx‘ oder Engels‘. Hufflepuff-Kapitalismuskritiker sind diejenigen, die sich irgendwelchen sozialen NGOs anschließen und wochenlang bei Regen in der Fußgängerzone stehen und Flyer mit Spendenaufrufen verteilen oder Petitionen starten oder sich als Entwicklungshelfer in Dritte-Welt-Ländern engagieren. Solche Joan Baez‘ oder Andy Bichlbaums. Slytherin-Kapitalismuskritiker sind diejenigen, die ganz genau wissen, welche hakennasigen Strippenzieher die Welt in ihren gierigen Griffeln halten. Solche, die dann zum Boykott der bösen Kapitalisten aufrufen und damit gut Geld verdienen. Solche Gedeons, Jebsens oder Roger Waters‘. Ja, doch, ich glaube, das System könnte sich durchsetzen.

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 2

Dass die Böhsen Onkelz und Helene Fischer zum selben Genre gehören, dürfte offensichtlich sein. Klar, ihre musikalischen Ausdrucksformen unterscheiden sich etwas – die Onkelz haben etwas mehr Gitarren und etwas mehr Gegröhle, Helene Fischer hat mehr Schunkel-Beats und Zuckerguss – aber im Großen und Ganzen unterscheiden sich beide Künstler nicht wesentlich voneinander: Beide teilen sich eine Zielgruppe (besoffene Dorfkinder im Bierzelt auf dem Volksfest), beide werden hauptsächlich zu den gleichen Anlässen gespielt (Doubletime im Bierzelt auf dem Volksfest) und bei beiden zielt die Musik auf das gleiche Ergebnis ab (besoffene Dorfkinder zur Doubletime im Bierzelt auf dem Volksfest zum Weitersaufen anfeuern). Dennoch wäre es nicht fair, die Böhsen Onkelz auf eine Stufe mit Helene Fischer zu setzen. Denn es gibt da einen großen qualitativen Unterschied: Helene Fischer ist natürlich besser als die Onkelz – einfach, weil sie die besseren Texte hat. Klar, die Fischer-Lyrics sind hohler als das Erdenmodell von Dr. Axel Stoll, aber das wollen sie ja auch sein – und es ist ja nun nichts Verwerfliches dabei, dumme Texte zu schreiben, wenn man wirklich Spaß an Texten hat, die blöd sind und auch blöd sein wollen. Die Onkelz dagegen leiden am Xavier-Naidoo-Syndrom: Ihre Texte sind genauso stumpf wie die von Helene Fischer, aber sie versuchen auf Teufel komm raus irgendwie nach superdeepem „Ich hab so viel durchgemacht und geb dir jetzt mit meiner krassen Lebenserfahrung weise Lebensratschläge“-Shit zu klingen. Raus kommen dabei Kalendersprüche, die höchstens dann erträglich wären, wenn sie wenigstens gar nicht erst so tun würden, als hätten sie irgendeinen relevanten Inhalt, aber eine Band, die ihr widerwärtiges Deutschtum raushängen lässt wie besoffene Dorfkinder ihren Pimmel nach dem In-die-Ecke-pinkeln, hat natürlich auch gar keine andere Wahl, als sich in ihrem deutschen Deepnessfetisch zu suhlen.

Menschenverachtende Musikkritiken, Folge 1

Was mich an Ed Sheeran wundert, ist, dass wir seine Musik überhaupt wahrnehmen können. Normalerweise filtert die menschliche Wahrnehmung alle irrelevanten Sinneseindrücke und Umgebungsgeräusche raus, und was könnte irrelevanter sein als Ed Sheeran? Seine Musik ist ja noch nicht mal schlecht, denn wenn sie schlecht wäre, dann müsste sie irgendetwas eigenes haben, irgendwelche Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen könnte, aber sie ist so unfassbar stromlinienförmig, nichtssagend und angepasst, dass sie einfach an allen Widerständen und am Gehirn des Hörers vorbeirauscht wie ein laues Sommerlüftchen. Die akkordgewordenen Stock-Photo-Collagen, die dieses Kinderschokolade-Werbegesicht da regelmäßig ins Mikro hineinschwiegersohnt, sollten ja eigentlich als Soundtrack für überladene Fantasy-Bombast-Schinken vollkommen ungeeignet sein, aber sie schaffen es tatsächlich, so belanglos zu sein, dass man sie unter ALLES drunterlegen kann, ohne, dass sie stören. Hobbit-Filme? Stört nicht. Liebesfilme? Stört nicht. Sitcom-Intro? Stört nicht. Sparkassen-Werbung? Stört nicht. Katzen-Videos? Stört nicht. Ist wie stilles Wasser, das kann man zu jedem Essen trinken. Geschmacklich uninteressant, aber genau deswegen universell einsetzbar. Vielleicht ist das ja ein Zeichen dafür, dass wir seine Musik doch nicht ganz wahrnehmen, zumindest nicht bewusst. Seine Songs sind so ein Hintergrundgeräusch, das Sounddesigner manchmal unter eine Szene legen, damit nicht alles so klinisch und leer wirkt, aber das man erst wirklich bemerkt, wenn es plötzlich weg ist. Na ja, wenn Ed Sheeran plötzlich weg wäre, würde ich zumindest nichts bemerken.

Die Schwierigkeit der banalen Erkenntnis

Dass immer mehr Menschen ihr Vertrauen in die Wissenschaften verlieren und immer mehr Politiker Programme ablehnen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, ist ja nun nichts Neues. Da wird dann gerne argumentiert mit „Auch Wissenschaftler können sich irren“, „Welche Lobby steckt denn hinter der Studie?“, „Vielleicht lügen uns die Wissenschaftler einfach nur an“ und „Die Wissenschaft kann auch nicht alles erklären“. Dabei ist die Diskussion um die Wissenschaft doch aber der vollkommen falsche Ansatzpunkt. Man muss bei einer Debatte ja meistens gar nicht wissenschaftlich erklären, wie etwas vonstatten geht. Es reicht meistens, wenn man eine Sache beobachten und dann sehen kann, ob sie funktioniert oder ob sie nicht funktioniert. Ich hab ja selbst keine Ahnung von Wissenschaft. Obwohl ich aus einer Chemiker-Familie stamme, weiss ich nicht, warum Benzin brennt. Das hat irgendwas mit Kohlenstoff und Sauerstoff zu tun und mit Molekülen und Temperatur und Dingen, die irgendwie reagieren, aber so genau weiss ich das echt nicht, da sollte man also lieber meine Schwester fragen. Aber eins weiss ich: Wenn ich ein Streichholz an ein paar Tropfen Benzin halte, dann fangen die Tropfen an zu brennen. Keine Ahnung, warum sie das tun, aber sie tun es halt. Wenn ich also eine Diskussion mit einem Menschen führen würde, der mir weismachen wollte, dass Benzin nicht brennt und er argumentieren würde, dass man der Wissenschaft doch nicht trauen könne, dann müsste ich ihn ja gar nicht wissenschaftlich widerlegen. Ich könnte einfach ein paar Tropfen Benzin anzünden und damit beweisen, dass ich Recht habe. Was aktuell passiert und was unter dem Begriff „postfaktisch“ zusammengefasst wird, ist ja nicht einfach nur, dass Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen, sondern auch Dinge ablehnen, die man ganz einfach und ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse nachprüfen kann. Flat-Earther glauben, dass die Erde flach sei. Ich kann den ganzen Kram mit Schwerkraft und Planetenbahnen und so ja auch nicht erklären, aber wenn man in ein Flugzeug steigt und lange genug in eine Richtung fliegt, kommt man irgendwann wieder an dem Punkt an, an dem man gestartet ist, also muss da wohl irgendwas rund sein. Homöopathen glauben, dass man gesund wird, wenn man Zuckerkügelchen isst. Ich hab keine Ahnung davon, wie der menschliche Körper funktioniert und was welche Wirkstoffe mit welchen Botenstoffen anstellen. Aber ich weiss, dass kranke Personen irgendwie nicht schneller gesund werden, wenn sie homöopathische Medikamente nehmen, also funktionieren die offenbar nicht. Impfgegner behaupten, dass Impfungen als Schutz gegen gefährliche Krankheiten nicht notwendig seien. Ich weiss nicht, wie unser Immunsystem funktioniert und was Impfungen damit zu tun haben, aber ich weiss, dass bestimmte Krankheiten irgendwie verschwunden sind, nachdem man flächendeckend dagegen geimpft hat, also scheint das ja ganz gut zu funktionieren. Lichtnahrungs-Jünger behaupten, man müsse keine feste oder flüssige Nahrung aufnehmen, sondern könne auch rein durch die Energie des Lichtes überleben. Ich weiss nicht wirklich viel über Verdauung, Stoffwechsel, Energiezufuhr und Ernährung, aber in den letzten paar tausend Jahren wurde sehr oft das Phänomen beobachtet, dass Menschen sterben, wenn sie nix essen, also reicht Licht alleine wohl doch nicht aus. Genderwissenschaften-Gegner sagen, dass es nur die biologischen und keine sozialen Geschlechter gäbe. Ich weiss ja echt nicht, wie das mit den Chromosomen und shit so funktioniert, aber wenn ich Menschen frage, ob sie Stärke, Heldenmut und Holzhacken jetzt eher männlich oder eher weiblich finden, dann antworten die meistens, dass sie das alles männlich finden, also gibt es wohl wirklich ein paar Attribute, die gesellschaftlich einem Geschlecht zugeordnet werden, obwohl sie gar nichts mit Pimmeln und Brüsten zu tun haben, und das ist ja schon alles, was der Begriff „soziales Geschlecht“ grundlegend aussagt. Verschwörungstheoretiker glauben, dass alle Mainstreammedien von einer zionistischen Lobby gekauft wären und deshalb Israel nicht kritisieren dürften. Ich kenn mich in der Welt der Lobbyisten echt nicht aus und ich war auch noch nie auf einer Vorstandssitzung der deutschen Presseagentur, ich hab also fachlich wirklich keine Ahnung. Aber wenn ich die Zeitung aufschlage, dann wird da ziemlich oft Israel kritisiert, also sind die Medien wohl doch nicht gekauft. Und, um endlich zum Punkt zu kommen: Ich weiss nicht, wie Nerven und Schmerzrezeptoren funktionieren. Wirklich, ich hab null Ahnung. Aber wenn ich einer Katze auf den Schwanz trete, dann schreit die. Also tut ihr wohl was weh. Und ich verzweifle echt daran, dass man solche unglaublich banalen Dinge wirklich aussprechen muss. Denn egal, wie viel oder wie wenig Ahnung die Leute von Wissenschaft haben, man sollte doch jedem geistig normal entwickelten Menschen zumindest zutrauen können, Dinge zu beobachten und dann logische Schlüsse draus zu ziehen.

http://www.independent.co.uk/voices/brexit-government-vote-animal-sentience-cant-feel-pain-eu-withdrawal-bill-anti-science-tory-mps-a8065161.html

Zu Mittag gibt’s Kartoffelbrei.

Ein Linken-Politiker rät erfolgreich zur Absage einer Preisverleihung, weil der Preisträger hauptsächlich durch antisemitische Verschwörungstheorien bekannt ist. Generelle Reaktion in den Kommentarspalten: „HILFE HILFE MEINUNGSFREIHEIT IST BEDROHT HILFE HILFE DEMOKRATIE IN GEFAHR HILFE HILFE“

Ein Mitglied des Zentralrats der Juden schreibt, dass es nicht so ganz super ist, wenn eine Airline auf deutschem Boden einem Fluggast aufgrund seiner israelischen Staatsangehörigkeit den Transport verweigert. Generelle Reaktion in den Kommentarspalten: „GRRRR GRRRR KINDERMÖRDER ISRAEL GRRRR GRRRR ZENTRALRAT DER JUDEN IST SCHLIMMER ALS HITLER GRRRR GRRRR“

Ich bin ja echt kein Antideutscher, aber kann mir jemand Filme empfehlen, in denen Deutsche sterben? Frage für einen Freund.

Keuschheitsgürtel statt Kopftuch?

Die Begründung für die muslimische Verschleierung ist ja an sich gar nicht mal so falsch: Männer haben ihre Libido oft nicht im Zaum, deshalb sollte man Maßnahmen dagegen ergreifen, dass sie sich auf alles stürzen, was balzfähig aussieht. Die Frage ist, warum die Konsequenz aus dieser Erkenntnis die Frauen treffen muss – also diejenigen, die in der Problemstellung die Opfer sind. Sinnvoller wäre es doch, wenn Männer Scheuklappen oder Keuschheitsgürtel tragen müssten und Frauen dafür in Hotpants auf die Straße gehen könnten, ohne Angst vor Belästigungen oder Übergriffen samenstaugeplagter Spinner zu haben.